Die Geschichte des Standortes Südkreuz SXBerlin

Der Standort Südkreuz SXBerlin ist einer von vier großen ehemaligen Versorgungsstandorten Berlins. Die großen Ver- und Entsorgungsbetriebe wie BSR, Vattenfall Europe, Berliner Wasserbetriebe oder die Berliner Gaswerke hatten hier einen Standort. Darüber hinaus wurden umfangreiche Flächen von der Bahn und vom Militär genutzt.

Durch die Nähe zur Bahn (Kohlezufuhr) wurde am Standort Südkreuz 1899 das erste kommunale Elektrizitätswerk der Stadt Schöneberg errichtet. Nach zehn Jahren erfolgte die Erweiterung bis zur Gotenstraße, wo 1925/27 das heute noch vorhandene Umformwerk von dem Architekten Paul Stanke gebaut wurde. Nach nur zehn Jahren wurde allerdings in Berlin von Gleich- auf Wechselstrom umgestellt und damit das Umformwerk außer Betrieb gesetzt. Das Kraftwerk wurde bis 1958 als Fernheizwerk für den Tempelhofer Flughafen genutzt. Die ehemaligen Kraftwerksbauten wurden sukzessive bis in die 1980er Jahre abgerissen. Nur das Umformwerk ist erhalten geblieben und wird als Bürogebäude genutzt.

Mit der Stadterweiterungsplanung der bis 1920 selbstständigen Stadt Schöneberg wurden 1906 Bau- und Straßenfluchtlinien von Bauflächen im Bereich des Standortes Südkreuz SXBerlin festgelegt, die aber nur vereinzelt bebaut wurden. Aus dieser Zeit resultieren z.B. die Oberschule am Tempelhofer Weg, die Wohnbebauungen am Sachsendamm und an der Gotenstraße sowie der Bau des Umformwerks.

Im Dritten Reich war als südlicher Endpunkt der großen Nord-Süd-Achse ein großer Bahnhof mit entsprechendem Bahnhofsumfeld geplant. Der gerade als “Informationsort Schwerbelastungskörper” sanierte riesige Betonzylinder an der General-Pape-Straße sollte die Bodenbelastung durch einen gigantischen Triumphbogen simulieren.

In den 1950er und 60er Jahren war die Nachfrage nach Produktionsflächen im Westteil Berlins sehr gering. Das Plangebiet verblieb als ein funktional unbedeutendes Gebiet für die Stadtentwicklung Schönebergs. So behielt dieser Bereich über Jahrzehnte den Status einer peripheren Lage mit einer sehr heterogenen Nutzungsstruktur. Der Baunutzungsplan von Berlin (1958/60) wies überwiegende Teile des Standortes Südkurez als beschränktes Arbeitsgebiet aus. In den 1970er und 80er Jahren sollte der Bahnhof Papestraße zum Güterterminal entwickelt werden. Auch dieses Planungsziel wurde nicht weiter verfolgt.

Weitere Planungen betrafen den Westteil des Gebiets, der in den Umgriff für die Straßenplanung des Flächennutzungsplans 65 – den Bau der Westtangente des geplanten Stadtautobahnnetzes – fiel. Es kam jedoch nicht zum Beschluss für eine Verlängerung der Westtangente nördlich des Sachsendamms (Stop der Planungen 1981). Während dieser Zeit wurden die Grundstücke an Zwischennutzer vergeben, denn das Gebiet des Standortes Südkreuz SXBerlin galt als „planbefangen“, was sich nachteilig auf die städtebauliche Entwicklung ausgewirkt hat.

Im Zuge einer Lückenschließung der Bundesautobahn A 100 wurde der  jahrelang extrem von Durchgangsverkehr belastete Sachsendamm 1995 von Verkehr und Lärm stark entlastet.

Nach der Wiedervereinigung wurde das sog. „Pilzkonzept“ als Planungsgrundlage für die gesamtstädtische
Netzstrukturierung der Bahn gewählt. Damit sollten an den Umsteigebahnhöfen der Radiallinien mit dem Ring bedeutende innenstadtnahe Zentrumsbereiche entstehen (z.B. Gesundbrunnen, Ostkreuz usw.). Am S-Bahnring sollten Entlastungszentren für die Citybereiche entstehen. Der S-Bahnhof Papestraße sollte zum „Südkreuz“ werden, d.h. zum zweitwichtigsten Fernbahnhof. Diese Planungsüberlegungen sind in den Flächennutzungsplan von 1994 eingegangen. Zur Vertiefung dieser Planungsansätze wurde 1993/94 ein zweistufiges Wettbewerbsverfahren durchgeführt, das vom Architekturbüro Herbst und Lang gewonnen wurde. Der Siegerentwurf wurde nach Überarbeitung als Grundlage der Bebauungsplanverfahren verwendet.